VIERTES INTERNATIONALES NEUJAHRSFEST

Heilbronn

21.Januar 2006


 
Das Internationale Neujahrsfest der
DIAPHANIA und DIAKONIE
in HEILBRONN
 
Von Evangelos Goros, Mai 2005 

>>Manche machen einen Empfang und wir machen ein Fest<<, so kommentierte vor vier Jahren Frieder Bretz, Geschäftsführer der Diakonie, die Einrichtung des Internationalen Neujahrsfestes in Heilbronn. Der Januar ist bekanntlich der Monat, in dem die Neujahrs-Empfänge stattfinden. Der Bürgermeister lädt ein, die Parteien laden ein, die Kirchen laden ein und auch viele andere laden ein. Doch bei all diesen Empfängen bekommt man ein anderes, oft ein „falsches“ Bild von dem Ort, in dem man lebt. Die Zusammensetzung der geladenen Gäste ist nicht repräsentativ. Man schaut bei diesen Empfängen nach links, man schaut nach rechts, aber Ausländer sieht man kaum, obwohl diese Gruppe einen beachtlichen Teil der Bevölkerung ausmacht. Es ist sicherlich nicht so, dass man die Ausländer von den Empfängen fernhalten will, doch richtig einladen will man sie auch nicht. Wenn man Parallelgesellschaften verhindern will, dann muss man gleich zu Beginn des Jahres mit gutem Beispiel voran gehen und den Saat der Integration säen, damit man am Ende den sozialen Frieden erntet. Die Notwendigkeit Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen, die Integration der Zuwanderer zu unterstützen und die Völkerverständigung auch mit konkreten Beispielen zu fördern, war und bleibt ein Anliegen der Diakonie Heilbronn. Ein diakonisches Bekenntnis, dessen Ursprung in der Bibel steht:

>>Wenn bei dir ein Fremder lebt, sollt ihr ihn nicht unterdrücken. Der Fremde, der sich bei Euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten, und du sollst ihn lieben wie dich selbst. Ich bin der Herr, euer Gott.<< 3. Mose 19, 33-34

Mit diesem Motto fand dann auch im Januar 2003 das Erste Internationale Neujahrsfest im Foyer der AOK Heilbronn statt. Einen Schwerpunkt des Festes bildete das Dokumentationsprojekt „Woher? Wohin? Die Griechen von Hohenlohe!“ des Migrationsdienstes der Diakonie Heilbronn. In einer über Jahre andauernden Untersuchung der Anwerbung griechischer Gastarbeiter nach Hohenlohe und ihrer für Deutschland beispielhaften Integration in der Region gelang es dem Migrationdienst im Jahre Juli 2001 mit großer Unterstützung von Seiten der hiesigen Unternehmen (Ziehl-Abegg, R.Stahl, Mustang, Bürckert, Sigloch und Hornschuch) das vierzigjährige Jubiläum der Anwerbung und des friedlichen Zusammenlebens in Hohenlohe zu begehen. Dieses Jubiläum wurde in besonderer Weise auch von der Firma Würth und Herrn Prof. Dr. hc. Reinhold Würth in Gaisbach unterstützt, da sein Unternehmen bekanntlich nicht zu den klassischen Anwerbefirmen gehörte. Das Diakonische Werk Württemberg verlieh bei diesem ersten Internationalen Neujahrsfest den ersten Integrationspreis der Diakonie an Frau Eleni Telikoglou, Herrn Konstantinos Makris und Herrn Hermann Künast. Eine Dokumentation in Form eines Buches über das  Projekt „Woher? Wohin? Die Griechen von Hohenlohe!“ und die damit verbundene Ausstellung „Biographien-Hintergründe-Visionen“ soll nächstes Jahr erscheinen; ( Interessenten können sich an den Autor wenden).  Die Festrede „Von der Anwerbung zur Integration – Eine Chance für die Gesellschaft“ hielt die Ehemalige Justizministerin und Ausländerbeauftragte der Landesregierung Corinna Werwigk-Hertneck und die Laudatio zum Integrationspreis hielt Kirchenrat Henry von Bose. In einem Schreiben an die Preisträger betonte von Bose 

>>Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass Sie mit dem „Integrationspreis der Diakonie Württemberg“ ausgezeichnet werden. Der Preis wird in diesem Jahr zum ersten Mal vergeben. Die Diakonie würdigt Ihr soziales Engagement, Ihren Einsatz für das Zusammenleben von Griechen und Deutschen sowie Ihre Bemühungen zum Gelingen des Projektes „Woher? Wohin? Die Griechen von Hohenlohe“<<.
Der Integrationspreis besteht aus einer aufgestellten Glasscheibe, auf der in den Grundfarben unter anderem der Buchstabe F künstlerisch dargestellt ist. Diese leuchtende Skulptur war auch das Emblem des Projektes in Hohenlohe. Sie wurde dafür von der Kunstlehrerin des Mönchsee-Gymnasiums Heilbronn Dorothee Utta  gezeichnet und vom Glasbläserhof Ottelinger in Todtnau-Titisee in Glasform gebracht. Das F steht für Frieden, Freundschaft, Freiheit. Für musikalische Höhepunkte sorgten im vollen Foyer Gruppen und Chöre des Mönchsee- und Robert-Meyer-Gymnasiums Heilbronn. Ein buntes Programm mit Tanz, Musik und Reden gestaltete die Veranstaltung kurzweilig und alle Beteiligten taten ihre Zustimmung kund, als der AOK-Geschäftsführer Thomas Weber beim Schlusswort eine Wiederauflage dieser wichtigen Begegnung in Heilbronn im nächsten Jahr ankündigte. Frieder Bretz führte dies in seiner Begrüßung so aus:
>> Um das Positive der täglichen Arbeit zu zeigen, um Interesse an unserer Arbeit und vor allem an den Menschen, auf die es sich bezieht, zu wecken, wollen wir als ´Spitze des Eisbergs` ein Neujahrsfest feiern.<<
Der 17. Januar 2004 hat nicht lange auf sich warten lassen und Dr. Christian Schwarz-Schilling hielt die Festrede zum Schwerpunkt-Thema „Der jüdische Beitrag als Bereicherung des kulturellen Lebens in unserer Gesellschaft“. 
>>Mit Ihrem Ersten Internationalen Neujahrsfest vor einem Jahr<<, würdigte er das Engagement der Heilbronner Diakonie und der Mitwirkenden, >> haben Sie eine Tradition begründet, die in der Tat den Anforderungen und Herausforderungen, vor denen wir alle stehen und die dieses Jahrhundert prägen werden, versucht gerecht zu werden.<< Der Hauptredner Herr Dr. Schwarz-Schilling hat die Nazizeit hautnah erlebt und äußerte mit besonderem Nachdruck: >>Wir alle müssen lernen, wie wir den Übergang von der Epoche einer Welt miteinander verfeindeter Nationen, wie wir sie ja in Europa insbesondere in der ersten Hälfte des vorherigen Jahrhunderts erlebt haben, zu einer Welt verschiedener Kulturen schaffen, die im Respekt voreinander leben, die ihre kulturellen Ausprägungen als Bereicherung empfinden, und die eine rechtlich gesicherte Ordnung herbei führen, die ein Zusammenleben auch tatsächlich langfristig möglich macht.<< Eine besondere Ehre war die Verleihung des Integrationspreises der Diakonie an die Stuttgarterin Rahel Dror. Die Diakonie würdigte ihr soziales Engagement, ihren Beitrag für den Dialog zwischen Juden und Christen und ihren Einsatz bei jungen Leuten, denen sie die Geschichte unabhängig von Konfession und Staatsangehörigkeit als Zeitzeugin vermittelt. Die Laudatio hielt Christian Storr, Leiter der Stabsstelle der Ausländerbeauftragten der Landesregierung. „Friedensstifterin mit Format“ titulierte die Heilbronner Stimme ihren Beitrag über die Verleihung des Integrationspreises an die Jüdin Rahel Dror. Der jüdische Konzertmeister und Buchautor Michael Wieck, Violine, und Christa Stolzenburg, Klavier, bereicherten die Veranstaltung musikalisch, wie auch Schülerinnen und Schüler des Mönchsee-Gymnasiums mit ihren temperamentvollen Auftritten. Am 22. Januar 2005 richtete die Diakonie im Foyer der AOK Heilbronn ihr drittes Internationales Neujahrsfest aus. Den Festvortrag mit dem Titel „Fünfzig Jahre Gastarbeiter in Deutschland“ hielt der Schwäbisch Haller Landtagsabgeordnete Nikolaos Sakellariou. Nachdem er den persönlichen Bezug zur Migration erwähnt hatte, stellte er heraus, dass >>die Trennlinie schon lange nicht mehr zwischen einheimischen Deutschen und nichtdeutschen Einwanderern verläuft. Aussiedlerkinder, die mit ihren Eltern nach Deutschland kamen, sind rechtlich Deutsche, mit deutscher Staatsangehörigkeit und mit deutschem Pass. Aber viele davon bezeichnen sich selbst als „Russen“ und sehen sich als Migranten an.<< Sakellariou ging auf den wirtschaftlichen Beitrag der Gastarbeiter ein und bezüglich der Zukunft räumte er den Ländern große Chancen ein, die offen und sozial stabil bleiben. Sein Fazit >> Ohne neue Einwanderung wird die Einwohnerzahl Deutschlands rasch schrumpfen. Eine älter und gleichzeitig kleiner werdende Gruppe deutscher Beitragszahler wird die wachsende Zahl von Rentnern nicht mehr in gleichem Maß wie heute unterstützen können.<< Mit besonderer Freude überreichte der Geschäftsführer der Diakonie  Bretz dem Schulleiter des Mönchsee-Gymnasiums Rüger den diesjährigen Integrationspreis. Damit würdigt die Diakonie in diesem Jahr den sozialen Einsatz der Schule und ihr vorbildhaftes Engagement zur Förderung des Zusammenlebens der verschiedenen Kulturen in unserer Stadt.>>Ein  hochverdientes Lob für eine ganze Schule mit ihrem Rektor, ihren Lehrern aller Fächer, vor allem aber der Kunsterziehung, ihren Schülern und deren Eltern für all die `Integrativen Projekte´ allein der letzten sieben bis acht Jahre von Schulfesten, Ausstellungen der Schülerarbeiten, Studienfahrten in die europäischen Kulturzentren- ein solches Lob wäre auch in einem abendfüllenden Vortrag nicht angemessen auszusprechen<<, so Professor Karl-Henning Seemann in seiner Laudatio. Auch bei diesem Fest begeisterten Gruppen des Elly-Heuss-Knapp-Gymnasiums und des Mönchsee-Gymnasiums- Kammerchor, Bigband-, das Mariposa- Quartett sowie der Internationale Chor der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart die vollbesetzte Halle der AOK Heilbronn. Viele Menschen, deren Wiege nicht in Deutschland stand oder die in einer anderen Kultur verwurzelt sind, leben im Stadt-Landkreis Heilbronn, in einzelnen Städten bis zu 25 Prozent der Bevölkerung. Sie alle leisten positive Beiträge zu unserer Kultur in unserem Zusammenleben. Kirche und Diakonie begreifen Migration nicht als Problem oder Defizitmerkmal. Die Zuwanderung hat unser Land reicher gemacht, kulturell wie materiell. In seiner Begrüßung beim Ersten Internationalen Neujahrsfest sagte der Geschäftsführer der Diakonie Heilbronn: >> In der täglichen Migrationsarbeit sollen die genannten Probleme angegangen werden. Das Arbeiten soll aber nicht defizitorientiert, sondern ressourcenorientiert sein: Nicht die Erkenntnis „Was ist schlecht an mir?“ stärkt die Integration, sondern die Frage „Was ist gut an mir, was kann ich in meiner neuen Heimat einbringen?“. Bedingung ist aber auch die Offenheit der Menschen im neuen Heimatland und ihrer Vereine, Organisationen etc. <<

Das  Internationale Neujahrsfest findet jedes Jahr am dritten Januar-Samstag in der AOK Heilbronn statt.
 

Programm des Vierten Internationalen Neujahrsfestes


in Zusammenarbeit mit dem Diakonischen Werk Heilbronn
 

Am Rednerpult: Evelyne Gebhardt, MdEP

Festvortrag:
"Europa – in guter Verfassung? "
"ich habe mich sehr über die Einladung gefreut,
hier und heute auf dem internationalenNeujahrsfest die Festrede halten zu dürfen. 
Dieses Fest ist mit seiner internationalen Ausrichtung schon etwas besonderes.
Es lädt dazu ein und ermuntert, über die verschiedenen Nationalitäten
hinweg miteinander ins Gespräch zu kommen. ..." (Rede)

Presse-Berichte

"Heilbronner Stimme - Bericht" 

"echo am Sonntag" 

"Heilbronner Stimme - Notiz" 


Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach, Heilbronn

 
Evelyne Gebhardt, MdEP


 
Natalia Gerakis


Der MSG-Kammerchor unter der Leitung von Dr. Hermann Forschner 
 


Eva Eitler und Hannes Keil mit der MSG-Jazz-Band 


Musiklehrer Hannes Keil dirigiert

 

Diaphania-Vorsitzender Evangelos Goros

  
 
 Am Rednerpult: Evelyne Gebhardt


"Künstler unter sich" - Michael Wieck mit Despina Apostolou und Natalia Gerakis


Despina Apostolou, Dorothee Utta und Natalia Gerakis
 

  
Der Heilbronner Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach und das internationale Publikum
  
 
 

 




 

 
 







Impressum | Datenschutz | Sitemap | Englisch